Beitrag zum StepStone Gehaltsreport für Absolventen 2018/2019

Beitrag zum StepStone Gehaltsreport für Absolventen 2018/2019

Montag, 9.00 Uhr. Leo (27, Ingenieur) sitzt in der Küche. Er muss um 10.00 Uhr auf der Arbeit sein. Seine Freundin Sarah (24, BWL) ist schon seit 8.00 Uhr am Arbeiten. Nachdem beide Absolventen sind, wollen sie sich endlich auch die Wohnung gönnen. Er tippt in sein iPad: „Schatz, wir müssen sparen. Ich habe was für uns gefunden. Preis und Rate sind höher als geplant, aber andere Wohnungen sind Schrott.“

Er legt das Gerät von Apple weg und schaut verliebt auf das Hintergrundbild aus dem Fuerteventura-Urlaub vor sechs Wochen. „Ein Wochenendtrip… Paris! Sarah wird sich freuen!“, denkt er und checkt nach der Buchung den Kalender. Den Termin mit „dem Finanzfuzzi“ sagt er ab. „Der mit seiner Rente…“, lächelt er spöttisch. „Heute nicht, ich will erst leben und die Wohnung geht vor. Irgendwann wollen wir ja auch Kinder, dann fällt Sarahs Einkommen weg.“

Etwas später sieht Sarah auf ihrem iPhone die Nachricht und antwortet: „Prima. Gehen wir heute Abend zum Italiener und besprechen das?“ Leo bejaht, trinkt den letzten Schluck Kaffee seiner Nespresso-Lieblingssorte, steigt in seinen Audi und macht sich auf den Weg zur Arbeit. 25km und tanken muss er auch noch. Außerdem stoppt er bei Starbucks. Der Tag kann für ihn kaum besser werden. Und heute steht auch noch die Gehaltsverhandlung mit seinem Chef an. Er dreht die Musik lauter. Das Bang & Olufsen Sound System lässt sein Herz jedes Mal höher schlagen.

Was hat diese Geschichte mit dem Einstiegsgehalt von Absolventen zu tun?

Diese Geschichte klingt fiktiv, ist es aber nicht. Hand auf‘s Herz, auf den liebgewonnenen Konsum können die wenigsten von uns verzichten, wenn sie sich einmal daran gewöhnt haben. Doch was tun, wenn die Disziplin schwächer ist als die Verlockungen aus Presse, Funk, Fernsehen und sozialen Medien, weshalb es mit dem unbeliebten Sparen nicht klappen will?

Nachdem die Ausgabenseite durch den Konsumrausch verloren zu sein scheint, bleibt der Blick auf die Einkommensseite, das Gehalt. Welchen Verdienst gibt der Markt her für Absolventen? Wie bereitet sich ein Erfolgshungriger auf eine Gehaltsverhandlung vor? Und was kommt danach?

Ein Blick in den StepStone Gehaltsreport für Absolventen 2018/2019

NUR OBEN IST PLATZ Absolventen und Gehalt im Stepstone Gehaltsreport
Hoch hinaus, denn NUR OBEN IST PLATZ? Wie sieht das für das Gehalt bei Absolventen aus?

Letzte Woche wurde der StepStone Gehaltsreport für Absolventen 2018/2019 veröffentlicht.

StepStone selbst schreibt auf Seite 2:

Für den Gehaltsreport für Absolventen wurden nur die Daten von Berufseinsteigern mit akademischer Ausbildung und maximal zwei Jahren Berufserfahrung berücksichtigt. Der StepStone Gehaltsreport für Absolventen zeigt die durchschnittlichen Gehälter für Berufseinsteiger, aufgeteilt nach Branche, Berufsfeld, Geschlecht, Region und Abschluss. Bei der Auswertung wurden aus Gründen der Vergleichbarkeit nur die Angaben derjenigen Umfrageteilnehmer berücksichtigt, die in Vollzeit arbeiten.

Was steht im StepStone Gehaltsreport für Absolventen 2018/2019?

Absolventinnen Absolventen gratulieren sich nach dem Studium
Endlich fertig und ab in den Job? Was verdienen Absolventen eigentlich in den unterschiedlichen Branchen, Regionen und Unternehmen?

44.310 € Bruttodurchschnittsgehalt warten zum Einstieg jährlich als Belohnung für das abgeschlossene Studium. Verglichen mit dem Durchschnittseinkommen der Deutschen Rentenversicherung Bund für 2018 in Höhe von 37.873 € ist das schon einmal ein guter Wert. Hier zählt beispielsweise auch der Lohn eines Mechatronikers oder das Gehalt einer Krankenschwester dazu. Immer dabei ist auch das variable Gehalt. Es macht im Durchschnitt 7 % aus. Nur beim Vertrieb gibt es mit 14 % einen echten Ausreißer. Und für einen Gehaltsvergleich eignet sich jede vernünftig recherchierte Zahl.

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Die Unternehmensgröße beeinflusst den Wert. Bis 500 Mitarbeitern „dümpelt“ er bei 41.308 €, steigt auf 44.816 € bei 1.000 Mitarbeitern bis zu 48.373 € bei noch größeren Unternehmen. Die Entscheidung, ob du ein Name oder eine Nummer sein möchtest und was dir eines von beiden wert ist, triffst dabei du selbst.

Auch regional gibt es erwartungsgemäß Unterschiede. Baden-Württemberg führt die Liste an mit 46.780 €, die „rote Laterne“ hält Sachsen mit 38.607 € in der Hand. Die Zahlen sind Mittelwerte. Was das bedeutet, hast du wahrscheinlich in einem der ersten Semester Statistik gelernt.

Chemie- und Erdölverarbeitende Industrie (51.729 €), Banken (51.382 €) und Fahrzeugbau/-zulieferer (51.089 €) sind übrigens die Top 3 der Branchen. Wie beim Gehalt für Fach- und Führungskräfte liegt darin ein Grund, warum das Saarland gut abschneidet. Die niedrigsten Gehälter gibt es in Freizeit, Touristik, Kultur und Sport mit 34.810 €. Agentur, Werbung, Marketing und PR sind mit 35.296 € knapp davor. Bildung und Training mit 38.010 € haben etwas Abstand. Auch diese Zahlen sind Mittelwerte und erlauben Ausreißer nach oben und unten.

Erwartungsgemäß führt die Medizin (inkl. Zahnmedizin) mit 52.668 € deutlich vor Naturwissenschaft (48.812 €). Geschichts- und Kulturwissenschaft (34.764 €) und Geisteswissenschaft (35.151 €) schneiden am schlechtesten ab.

Der Unterschied zwischen Bachelor (40.553 €) und Master (46.199 €) beträgt durchschnittlich 14 %.

Wie sieht der Gender Pay Gap bei Absolventen aus?

weißer Mann Absolventen viel Lesestoff
Wenn alte, weiße Männer die Klingen kreuzen, kann das im Vertrieb sein. Entsprechend sind die Lohnunterschiede.

Auch wenn aus Gründen der Lesbarkeit mit jeder Form in diesem Beitrag grundsätzlich alle Geschlechter gemeint sind, lohnt ein Blick auf den Gender Pay Gap. Da wir es mit jungen, aufgeklärten und intelligenten Menschen zu tun haben, die allesamt in Vollzeit haben, überrascht hier in den acht gewählten Branchen eine Differenz von etwa 3.500 € im Jahr – zum Start. Prozentual sind dies 8,27% weniger bei der Frau. Mit einer Gehaltstabelle lässt sich das schnell selbst errechnen:

BereichMannFrauDifferenz %
Ingenieure48.53746.2952.2424,84 %
IT45.93744.5741.3633,06 %
Marketing 42.06938.4193.6509,50 %
Vertrieb47.48040.9936.48715,82 %
Personal43.19041.1032.0875,08 %
Finanzen48.21843.4564.76210,96 %
Logistik47.39143.1774.2149,76 %
Naturwissenschaften49.15445.8883.2667,12 %
Durchschnitt46.49742.9883.5098,27 %

Am größten ist die Differenz im Vertrieb (6.487,00 € / 15,82 %), am geringsten in der IT (1.363,00 € / 3,06 %). Eine spontane Erklärung dafür könnte darin liegen, dass im einen Bereich überwiegend alte und weiße Männer sich eine „Testosteronschlacht“ liefern, während man in der IT den Fachkräftemangel in der Jobbörse erkannt hat und generell auch etwas moderner und weiter zu sein scheint, was Informatiker und Fachinformatiker wissen.

Wer bei den ganzen Zahlen noch nicht ausgestiegen und mathematisch noch ganz bei Trost ist, erkennt, dass bei 40 Berufsjahren und allein einem jährlichen Inflationsausgleich von 2 %, die Differenz beim letzten Jahresgehalt vor der Rente auf über 7.700 € anwächst. Ein Karrieresprung und eine echte Gehaltserhöhung lassen Böses für die Differenz erahnen. Zeiten mit Elterngeld und späterer Reduzierung der Arbeitszeit tun ebenfalls ihren Teil dazu. Leo und Sarah lassen grüßen.

Tipps zur Gehaltsverhandlung für Berufseinsteiger und Absolventen

Im Blog haben wir das Thema schon sehr ausführlich behandelt. Der StepStone Gehaltsreport für Absolventen gibt am Ende auch ein paar Tipps. Er beschränkt sich auf die wenig überraschenden „Klassiker“ ein konkretes Ziel zu nennen, den eigenen Wert richtig einzuschätzen, gut vorbereitet zu sein und passende Argumente anzubringen.

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Theoretisch klingt das gut. Weitere Details dazu liest du in den Beiträgen

Gehaltsvorstellung in der Bewerbung formulieren

Geld anlegen in das Training für eine Gehaltsverhandlung: eine Investition mit Rendite

Lohnrechner – Brutto-Netto-Rechner – mit Online Rechner

Die Praxis zeigt allerdings, dass die theoretische Vorbereitung immerhin die halbe Miete ist, aber auch nicht mehr. Nur durch das Üben einer echten Gehaltsverhandlung weißt du, wie du dich wirklich fühlst, wenn du deinen Schlachtplan in die Tat umsetzt und kannst ihn korrigieren, vor allem, wenn du mit einem Verhandlungsexperten wie Lars trainierst:

Gehaltsverhandlung Vorbereitung: Tipps, Ablauf, Inhalt, Marktwert

Gehaltsverhandlung intensiv: Training, Übung, Feedback

Fazit

Zu Statistiken und ihrer Aussagekraft hat jeder seine Meinung und sicher auch sein Lieblingszitat. Für eine gute Vorbereitung sind die Zahlen allerdings mehr als nur Statisten. Wie es individuell für dich aussieht, findest du heraus, indem du dir deine eigenen Zahlen für deinen Werdegang bei uns besorgst, deine individuelle Strategie entwickelst und deine Gehaltsverhandlung vorher übst.

Hier nochmals der Link zum Gehaltsreport: zu StepStone